Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen.
Sondern die Ansichten, die wir von ihnen haben.
(Epiktet, griech. Philosoph, ca. 50-138 n.Chr.)
Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen
Franz Kafka, (1883-1924)
Don`t push the river it flows by itself
Fritz Pearls
"Der Ton der Klangschale berührt unser Innerstes..." Peter Hess

Monika Neuwinger - Traumatherapie & Psychotherapie in Köln

Heilpraktikerin (Psychotherapie)

Angst - ein Gefühl mit Nebenwirkung

Angst und Panik können das Leben so sehr erschweren, dass ein normaler Alltag unmöglich wird. Dabei lassen sich Angststörungen sehr gut behandeln.

Als mein Thema des Monats im Praxiszentrum Unisana heute einmal ein etwas längerer Bericht zum Thema Ängste, Hintergründe dazu und Behandlungsmöglichkeiten bei mir in der Praxis.

Einführung Ängste

Vor ein paar Tagen hörte ich Kinder im Garten spielen - und einen Reim, den ich selbst noch aus Kindheitstagen kenne: „Angsthase, Pfeffernase morgen kommt der Osterhase…“ Wenn das Herz sowieso schon in die Hose gerutscht war, kamen diese Sprüche noch als Verstärker hinzu, verstärkten unser hin- und hergerissen sein zwischen Nervenkitzel und Neugier, Vernunft und Gruppenzwang, z. B.

  • die Mutprobe, allein in den Keller eines Hochhauses oder Mehrfamilienhauses zu gehen: gehe ich das Risiko ein, dass dort ein böser Mann auf mich wartet oder ich allein und eingeschlossen bin? Oder lasse ich es und nehme in Kauf, über Wochen als Angsthase oder Feigling gehänselt zu werden?
  • Klingelmäuschen: als Einziger nicht mitmachen, mir den Spaß und ein wenig Nervenkitzel versagen und nicht mitmachen mit dem Risiko, als Angsthase und Spielverderber zu gelten? Was, wenn ich erwischt werde und meine Eltern davon erfahren?
  • Oder die Angst vor einem Test, einer Klassenarbeit, einer Prüfung?

Ängste können z. B. sein: Prüfungsangst, Angst vor Versagen oder Blamage, nicht gut genug zu sein, Lampenfieber, vielen Menschen, Fahren im Aufzug, Angst vor dem Zahnarzt, und vieles mehr – die Liste ist schier unendlich.

Manchmal fragen wir uns, wie es eigentlich dazu gekommen ist, dass wir Ängste haben. Denn meist beginnt es ganz harmlos, eine einzelne Situation oder Begebenheit – und irgendwann macht die Angst sich selbstständig, wird zum ständigen Begleiter, entsteht immer häufiger in eigentlich harmlosen, alltäglichen Situationen. Manchmal führt sie sogar dazu, dass Betroffene ihre sozialen Kontakte aufgeben, Partnerschaften beenden, ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen oder ihr Studium nicht abschließen, dass sie sich nicht mehr trauen, allein einkaufen zu gehen oder schöne Reisen zu unternehmen. Die Angst kann gar dazu führen, dass Betroffene ­ihre Wohnung überhaupt nicht mehr verlassen.

Doch – was für Ängste gibt es eigentlich?

Wir unterscheiden zwischen

1. Ängsten ohne Krankheitswert

Hierbei handelt es sich um normale Angst, die zu gesunder Wachsamkeit führt. Darunter fällt auch die Angst oder Sorge vor Krankheiten, Arbeitsplatzverlust, Geldsorgen, etc. – sofern es nicht über das normale Maß hinausgeht und die Lebensqualität auf Dauer mindert.

2. Ängsten mit Krankheitswert

Ängsten ohne konkrete objektive Ursache – darunter fallen die Panikstörung sowie die generalisierte Angststörung

Ängsten mit konkreter Ursache – das sind die sogenannten Phobien:

  • Isolierte Phobien, z. B. Angst vor Spinnen oder anderen Tieren, Autofahren, Tunneln, Flugangst, Prüfungsangst, etc
  • Soziale Phobie – Furcht, sich peinlich zu verhalten oder im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, vor sozialen Situationen, etc.
  • Agoraphobie – Angst vor Menschenmengen, öffentlichen Plätzen, allein reisen, etc.

Ängste betreffen in der Regel jeden Menschen!

Egal, ob Sie oder eine nahestehende Person Ängste haben: Angst betrifft in der Regel jeden Menschen. Deswegen möchte ich Sie gleich beruhigen:

  • Sie oder Ihr Kind sind nicht abnormal und müssen sich nicht verstecken!
  • Angst ist sogar lebensnotwendig!
  • Nur ein ZU VIEL an Angst ist belastend.

Und es gibt auch eine gute Nachricht: Ängste gelten als GUT BEHANDELBAR – ganz egal, wie alt Sie sind und wie lange die Angst Sie schon begleitet.

Es gibt übrigens auch berühmte Persönlichkeiten, die unter einer Angststörung litten: Kim Basinger (Schauspielerin), Sigmund Freud (Psychoanalyse), Petra Kelly (Politikerin), Bertold Brecht (Autor), Johann Wolfgang von Goethe (Dichter)…

Sie sehen also: jemand mit Ängsten befindet sich in bester Gesellschaft…

Wie entstehen Angsterkrankungen?

Wissenschaftlich gibt es noch keine genauen Erkenntnisse über Ursachen von Angsterkrankungen (es sei denn, ein konkretes Trauma geht einer Angststörung voraus).

Die Forschung nimmt an, dass die Anfälligkeit für Angst sowohl genetischen Einflüssen unterliegt als auch durch unsere (Lern-)Erfahrungen bedingt ist:

  • Mit welchem Beispiel gehen unsere Eltern voran?
  • Sind die Eltern oder engen Bezugspersonen selbst (als unsere Vorbilder) eher ängstlich oder eher mutig?
  • Werden wir überbehütet groß und speichern damit ab, dass die Welt ein Ort ist, der Gefahren birgt, und entwickeln daraus Angst?
  • Verstärkt unser Umfeld unser Angstverhalten?

Auch kritische Lebensereignisse, Gedanken, Situationen oder körperliche Veränderungen können Angst auslösen – ebenso wie anhaltende Belastungen bzw. Stress, das Gefühl der Überforderung oder eine Verunsicherung in Bezug auf unser Selbstbild oder unsere Werte. Übrigens - auch hinter Stress oder Burnout stehen häufig Ängste:

Angst

  • zu versagen
  • nicht gut genug zu sein
  • den Arbeitsplatz zu verlieren
  • nicht genug zu tun, um ernst genommen und akzeptiert zu werden oder als "Schaumschläger" gesehen zu werden
  • und vieles mehr

Weitere Auslöser für Ängste können körperliche Ursachen sein: zu viel oder zu wenig trinken oder essen, mangelnder Schlaf – aber auch Erkrankungen wie Stoffwechselstörungen, Herz- und Kreislauferkrankungen, Allergien, Asthma oder Infektionen.

Bei den durch Angst ausgelösten körperlichen Symptomen (Atemnot, Zittern, Schweißausbrüche, Magengrimmen, beschleunigter Puls oder Atmung, etc.) horchen wir in unseren Körper hinein – und bekommen weitere Angst, weil wir Unregelmäßigkeiten feststellen. Das wiederum löst den sogenannten Teufelskreis der Angst aus.

Wir sprechen bei den drei sich gegenseitig bedingenden und in der Regel auch immer weiter verstärkenden Elementen der Angst auch von der „Trias der Angst“, aus denen ein Angstkreislauf entsteht:

  • Bewertung/ Wahrnehmung
  • Körperliche/ physiologische Reaktion (schwitzen, zittern, etc.)
  • Motorischer Aspekt (was ich sage oder tue, auch Selbstgespräche = Verhalten)

Doch nicht immer hat Angst eine negative Bewertung. Manchmal suchen wir „Angst-besetzte Situationen“ auch ganz bewusst auf: der Nervenkitzel auf der Achterbahn, das Lesen oder Sehen eines Psycho-Thrillers, das Ausprobieren eines neuen Hobbies. Denn ein gesundes Maß an Angst macht uns kreativ und leistungsfähig.

Angst – oder Furcht?

Die Begriffe Angst und Furcht werden häufig synonym verwendet. Angelehnt an den Patientenratgeber „Panikstörung und Agoraphobie“ *, den ich für Betroffene und Angehörige sehr gern weiterempfehle, möchte ich diese beiden Begriffe jedoch unterscheiden:

Angst:

Angst ist ein Zustand mit dem Gefühl, dass etwas Gefährliches passieren wird, das bisher (noch) nicht geschehen ist – also eine Erwartungshaltung. Wir fühlen uns hilflos, können etwas nicht abwenden. Das führt dazu, dass wir uns ständig umschauen – war da jemand hinter dem Busch, ist dort ein Schatten um die Ecke gehuscht, sind das Schritte hinter mir, die mich verfolgen? Vor einer Klassenarbeit oder Prüfung habe ich immer Angst – also habe ich diese auch vor der nächsten, selbst wenn ich gut gelernt habe. Auch die generealisierte Angststörung ist hier angesiedelt: die Erwartung, dass etwas Schlimmes oder Unangenehmes passieren wird, Sorge um die liebsten Angehörigen, etc.

Wir wenden unsere Aufmerksamkeit eventuellen Gefahren zu und aktivieren damit unseren Körper für eine eventuell erforderliche Handlung – damit wir im Falle des tatsächlichen Eintretens der Gefahr umgehend handeln können.

Furcht

Im Gegensatz zur Angst ist Furcht kein Zustand, in dem das Eintreten eines gefährlichen Ereignisses befürchtet wird – sondern in dem eine Gefahr bereits aufgetaucht bzw. tatsächlich eingetreten ist. Daher trifft unser Körper in diesem Fall keine Vorbereitungen wie bei dem Gefühl der Angst – sondern unser genetisch bedingtes Furchtsystem sorgt dafür, dass wir umgehend handeln können: Kampf, Flucht oder Lähmung, der sogenannte „tot-stell-Reflex“ – was heute wie folgt aussehen könnte

  • Kampf: Auseinandersetzung mit der Situation bzw. dem Auslöser
  • Flucht: Vermeidung, passives Verhalten, Kompensation durch Alkohol oder Drogen, Umwandlung in körperliche Krankheiten oder Symptome wie z. B. Ausschlag, Reizdarm
  • „tot-stell-Reflex“ oder Lähmung – dazu passt z. B. der Spruch „wie das Kaninchen vor der Schlange sitzend“

Man könnte auch sagen, die Aktivierung des Furcht-Systems entspricht einem Ein- und Ausschaltknopf - oder man bezeichnet es als Panikschalter oder Panikknopf, ähnlich einem Notruf. Ist dieser einmal eingeschaltet, läuft die Furchtreaktion (Panikattacke) ab, ist er ausgeschaltet, bleibt sie aus. Ein bisschen Panik gibt es nicht!

Kurz und knapp: während Angst sehr stark davon abhängt, welche Gedanken wir uns zu einer Situation machen und was wir erwarten, treten Furchtreaktionen (Panikanfälle) wie ein Reflex auf bestimmte Reize auf, bevor wir überhaupt darüber nachdenken können!

Wann sprechen wir von einer Angststörung

Von einer Angststörung wird gesprochen, wenn die Angst unangemessen stark ist oder in Situationen entsteht, wo eigentlich gar keine Gefahr besteht. Oft geht damit massive Angst vor Kontrollverlust einher, die Angst, nicht mehr „Herr seiner selbst“ oder einer bestimmten Situation zu sein. Angst zu sterben. Oder die Angst, verrückt zu werden.

In der Regel ist den Betroffenen bewusst, dass ihre Ängste irrational und unbegründet sind und erleben diese selbst als unangemessen stark. Doch sie fühlen sich diesen ausgeliefert und bekommen diese Ängste nicht in den Griff. Zusätzlich belastend kommt häufig noch die sogenannte „Angst vor der Angst“ hinzu – die wiederum wieder zur Vermeidung führt und die Angststörung quasi „am Leben hält“ und weiter „füttert“. Und manchmal auch das Umfeld: es kümmert sich jemand um den Betroffenen, versucht ihn zu entlasten und ihm zu helfen, zeigt Verständnis - vielleicht wird der Betroffene sogar dadurch in seiner Reaktion bestärkt.

Die Ängste graben sich so tiefer und tiefer in der Seele ein, vergleichbar mit einem Virus, der sich zu einer bakteriellen Infektion entwickeln kann oder einem Computervirus: einmal auf der Festplatte installiert, werden immer mehr Dateien und Programme davon befallen. Der uns freundlich gesinnte und überlebensnotwendige Schutzmechanismus unseres Körpers richtet sich gegen uns, unseren Körper und unsere Seele – was eine verminderte Lebensqualität der Betroffenen zur Folge hat.

Behandlungsmöglichkeiten bei mir in der Praxis

Es gibt viele unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten bei Angststörungen. Egal, mit welcher Methode gearbeitet wird – im Vorfeld sollte stets die sogenannte Psychoedukation stehen. Also Informationen zu Ängsten, Verständnis für die Hintergründe, wie Angst und Panikattacken entstehen und welche Möglichkeiten es gibt, den Teufelskreis der Angst zu unterbrechen.

Für die Betroffenen ist wichtig zu erkennen: Die Angst

  • hat bisher im Leben einen Sinn und Zweck erfüllt
  • war eine gute Strategie, etwas fernzuhalten oder zu regeln
  • ist manchmal eine Angewohnheit oder erlerntes Verhalten, das beibehalten wird, weil bisher kein anderes Verhalten zur Verfügung steht
  • in einer bestimmten vorherigen Situation war nicht der eigentliche Auslöser für die heutige Angst – sondern die durch die Angst entstandenen Gefühle und Körperreaktionen

Ich kombiniere bei Ängsten folgende Methoden:

Elemente aus der kognitiven Verhaltenstherapie:

Die kognitive Verhaltenstherapie ist ein evidenzbasiertes Verfahren mit guten Erfolgen. In der Therapie lernen die Betroffenen, sich mit ihren Ängsten auseinanderzusetzen, vor allen Dingen, sie zu verstehen und Lösungsstrategien zu entwickeln. Eingebunden werden auch Entspannungsverfahren und Atemtechniken, da das Gehirn nicht in zwei Zuständen zugleich sein kann – der Angst und der Entspannung.

EFT-basierte Klopfakupressur (kurz: EFT)

EFT ist eine Methode aus der energetischen Psychologie und wird ebenfalls gut bei Ängsten und Phobien eingesetzt.

Mit der Therapieform können z. B. negative Gedanken und Gefühle neutralisiert und deren Verarbeitung gefördert sowie unser Fühlen, Denken und Handeln wieder in ein harmonisches Gleichgewicht gebracht werden. Bei der EFT-basierten Klopfakupressur dreht sich alles um diesen Satz:

"Der Grund aller negativen Emotionen ist eine Störung im Energiesystem des Körpers." (Gary Craig)

Wir arbeiten dabei mit dem Meridiansystem des Körpers mit dem Ziel, negative Blockaden zu entstören, aufzulösen und zu beseitigen. Statt mit Nadeln wird mit Klopfen oder leichtem Druck der klassischen Akupunkturpunkte gearbeitet - deswegen werden diese Methoden manchmal auch als die "psychologische Version der Akupunktur" bezeichnet. **

 Beide Verfahren bieten Ihnen die mir so wichtige „Hilfe zur Selbsthilfe“.

 

 

 

 

 

 * Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie - Informationen für Betroffene und Angehörige, hogrefe-Verlag, ISBN 9783801719869

** Die von mir angebotene Intervention der Klopfakupressur orientiert sich an EFT, Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig. Sie orientiert sich jedoch weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch geben sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.