Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen.
Sondern die Ansichten, die wir von ihnen haben.
(Epiktet, griech. Philosoph, ca. 50-138 n.Chr.)
Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen
Franz Kafka, (1883-1924)
Don`t push the river it flows by itself
Fritz Pearls
"Der Ton der Klangschale berührt unser Innerstes..." Peter Hess

Monika Neuwinger - Traumatherapie & Psychotherapie in Köln

Heilpraktikerin (Psychotherapie)

Klopfen. Alles Blödsinn – oder was?

Michaela Thiede hat eine #Blogparade angestoßen: Was begeistert Dich am Klopfen? Für mich gar keine blöde Frage, sondern ein interessantes Thema, das Michaela Thiede da angestoßen hat. Insbesondere, da ich das Klopfen bereits 2014 kennenlernte - und lange Zeit nicht angewendet habe. Deswegen:

 Ja, was hat es mit dem Klopfen für mich auf sich? Eine gute Frage.

Für die #Blogparade habe ich mich entschieden, meinen Weg zu EFT aufzuzeigen. Der Weg einer Skeptikerin und Zweiflerin... und inzwischen begeisterten Anwenderin.

Kennengelernt habe ich das Klopfen in einer einfachen Form von EFT bereits Ende 2014. Im Zuge meiner Prüfungsvorbereitung für den Heilpraktiker Psychotherapie war ich auf der Suche nach einer Therapiemethode und bin dabei auf EFT gestoßen. Jedoch konnte ich mich nach der Fortbildung wenig für EFT begeistern. Trotz guter Erfolge bei freiwilligen Probanden, mit denen ich arbeiten durfte. Bei einem Familienmitglied hat es super gegen Prüfungsangst gewirkt. Und sie war so überzeugt, dass sie damit auch andere Themen beklopft hat – und es an andere weitergegeben hat. Auch bei meinen anderen Freiwilligen waren die ersten Versuche erfolgreich. So einfach – so wirkungsvoll. Nur ich selbst… ich war weder überzeugt noch mit dem Herzen dabei... und habe mich dann voll auf meine Fortbildungen in Kognitiver Verhaltenstherapie und Gesprächstherapie konzentriert.

Nach dem Praxisstart in 2015 habe ich mit dem gearbeitet, hinter dem ich voll und ganz stehe: Achtsamkeitsbasierte Verhaltens- und Gesprächstherapie. Das hatte für mich Hand und Fuß, schließlich handelt es sich hier um evidenzbasierte Verfahren. Nach und nach kamen weitere Methoden dazu… und trotzdem:

Gefühlt hat noch etwas gefehlt. Nur – was?

PatientINNen bei mir in der Praxis bekamen und bekommen dank der Verhaltenstherapie ihre Probleme oder auch Ängste wie Panikattacken, Zahnarztphobie gut bearbeitet. Auch andere Bewertungen von Situationen haben immer wieder tolle AHA-Effekte. Aber rein intuitiv… fehlte noch etwas. Und ab und zu fragte mich jemand: „Frau Neuwinger… ich weiß das alles. Verstehe alles. Habe viel geändert. Aber – warum handle ich trotzdem immer noch so und so, entgegen besseren Wissens?“

Und ich dachte immer häufiger wieder an das fast vergessene EFT. Mensch, vielleicht ist da doch etwas dran. Aber… ich glaube doch nicht wirklich daran… kann das dann überhaupt helfen? Überhaupt, ist das nicht an den Haaren herbeigezogen?

Hmmm – irgendetwas muss daran sein, der beste Beweis ist doch TBT, die Trauma Buster Technique. TBT ist eine Kombination aus dem Beklopfen von Akupunkturpunkten (EFT) und Formaten des NLP (Neurolinguistisches Programmieren) – diese Technik kann auf alle konkreten, erinnerbaren belastenden Erinnerungen, die einen Schock- oder Schrecksegment enthalten, angewandt werden. Und diese Technik hat mich sofort nach Kennenlernen voll überzeugt. Warum also nicht doch noch einmal mit EFT beschäftigen? Welche Blockade habe ich da?

Der Kopf sagt ja - der Bauch/ das Herz sagen nein

Also habe ich erst einmal Literatur gelesen. Ich bin ein Mensch, der verstehen muss, warum er etwas anwendet. Zwischenzeitlich gibt es auch Studien, die sich mit EFT beschäftigen. Mir wurde immer klarer, welche Weisheit hinter dem alten Spruch steht: Der Kopf sagt ja – der Bauch/ das Herz sagen nein. Oder andersherum. 

Also entschied ich mich für eine Auffrischung und im Anschluss eine Vertiefung in EFT. Und lernte u. a. auch den inneren Saboteur kennen - der uns manchmal einen Streich spielt, indem er unsere positiven Anstrengunen so sabotiert, dass wir letzten Endes das Gegenteil von dem tun, das wir eigentlich tun möchten. Ich arbeitete mit den ersten Probanden bzw. Freiwilligen, erst einmal im privaten Umfeld. Zum Beispiel Ärger im Büro, Ärger über eine Kundin, Angst vor Überforderung, Trennungsschmerz und anderen Themen. Nachdem ich mich dort in der Anwendung sicher fühlte, setzte ich die Technik auch wieder in der Praxis ein. Mit teils verblüffenden Ergebnissen. Und so verbinde ich heute gern die achtsamkeitsbasierte Verhaltens- und Gesprächstherapie mit EFT und Klopfsequenzen. EFT bedeutet für mich eine großartige Möglichkeit, an Themen zu arbeiten - insbesondere, wenn sie noch etwas diffus sind und keine konkrete Ursache, konkreter Anlass oder ein spezielles belastendes Ereignis zugrunde liegt.

Blockade - die Erkenntnis

Meine Blockade habe ich übrigens auch gefunden und lösen können: ich hatte damals EFT so kennengelernt, dass wir immer und immer wieder den gleichen belastenden Satz klopfen, bis er sich aufgelöst hat. Also eine ganz einfache Technik? Ich brauchte ‚ja nur‘ sagen „Obwohl/ Auch wenn… liebe und akzeptiere ich mich, wie ich bin.“ Und dann den Problemsatz klopfen. Bis er sich irgendwann aufgelöst hat. Einfach, oder?

Nur - das entsprach so gar nicht meiner Person… ich kam mir vor, wie ein Papagei. Diese Rückmeldung bekam ich auch von meinen PatientINNen, denen es ähnlich erging. Wie heisst es so schön: wenn man selbst etwas spürt oder fühlt, kommt es wie ein Bumerang zurück oder wird zurückgespiegelt... und wenn man selbst nicht hinter einer Methode steht, spürt es auch das Gegenüber. Auch da ist etwas dran.

EFT heute

Inzwischen arbeite ich regelmässig mit EFT und fast nur noch mit der Erzähltechnik: nachdem wir das Problem identifiziert und eingegrenzt haben folgt freies Erzählen, eine Art ‚Ping-Pong‘ zwischen PatientIN und mir. Je nach Status der Zusammenarbeit werden dann gern nach und nach positive Aspekte mit eingebunden. Bevor wir dann mit der kraftvollen sogenannten ‚Choices‘-Methode enden – eine Entscheidung für die Zukunft. Die Verbindung von Kognition und Emotion passt zu mir. Und auch das spiegelt sich in den Menschen, mit denen ich zusammen arbeite. Mich begeistert hierbei die Leichtigkeit und Schnelligkeit, mit der Themen bearbeitet und aufgelöst werden können. Und ich bin heute froh, dass ich EFT eine zweite Chance gegeben habe.

Einsatz von EFT

Die Einsatzmöglichkeiten von EFT sind vielfältig, ich arbeite besonders gern mit EFT bei

  • Ängsten und Phobien (auch Lernprobleme, Prüfungsangst oder Lampenfieber)
  • aktuelle Belastungen oder Konflikte durch Beruf, Familie oder Lebensveränderungen
  • Ärger
  • Traurigkeit
  • Stressreduktion
  • Selbstwertthemen und Glaubenssätze

Selbst bei körperlichen Problemen wie z. B. Allergien, Schlafstörungen, Begleiterscheinungen einer körperlichen Krankheit, Schmerzen begleitend zur medizinischen Versorgung kann EFT eingesetzt werden, ebenso wie zur Unterstützung beim Abnehmen.

Also – was fasziniert mich? Kurz und knapp:

EFT bzw. das Klopfen

  • ist einfach und leicht zu erlernen
  • kann von jedem angewendet werden
  • bearbeitet Themen mit Leichtigkeit und ist vielseitig einsetzbar
  • bietet ein für mich sehr wichtiges Tool: Hilfe zur Selbsthilfe

Mein Fazit: es ist hilfreich, beide Ebenen in die Arbeit mit einzubeziehen: Kognition und Emotion.
Für mich war es nicht der gerade Weg - aber inzwischen verbinde ich die Methoden, wende das Klopfen mit Begeisterung an und gebe es ebenso gern weiter.

 

 

* Hinweis: auch wenn EFT hervorragend zur Selbsthilfe geeignet ist, empfehle ich, schwere oder tiefgreifende Themen mit professioneller Begleitung zu bearbeiten.