Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen.
Sondern die Ansichten, die wir von ihnen haben.
(Epiktet, griech. Philosoph, ca. 50-138 n.Chr.)
Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen
Franz Kafka, (1883-1924)
Don`t push the river it flows by itself
Fritz Pearls
"Der Ton der Klangschale berührt unser Innerstes..." Peter Hess

Monika Neuwinger - Traumatherapie & Psychotherapie in Köln

Heilpraktikerin (Psychotherapie)

Das Leben leben

Ausnahmsweise erzähle ich an dieser Stelle ein wenig aus meinem Leben. Das mache ich sonst eher in einem persönlichen Gespräch. Doch ich bin durch Zufall auf eine Blogparade mit der Suche nach Mutmach-Stories aufmerksam geworden und beteilige mich mit dieser sehr persönlichen Geschichte:

In der Blogparade

"Was will ich wirklich vom Leben? Mein schönes Leben"

von Sandra Liane Braun - Raus aus dem Stress, rein ins Leben geht es um Mutmach-Geschichten. 

Motivation

Und da es auch bei mir in der Praxis häufig ums Mut machen geht, habe ich mich spontan zur Teilnahme entschieden. Vielleicht mit  inspiriert Dich oder Sie ja meine Geschichte oder regt zum Nachdenken an 

Das Leben leben...  mit all seinen Facetten. Kann anstrengend sein, mühselig, mit Rückschlägen oder Stolpersteinen verbunden - doch ebenso großartig, bereichernd mit vielen schönen Dingen und Erlebnissen.

Ich befinde mich gerade in Griechenland, genauer gesagt in Südkreta. Und kein Ort ist passender für diesen Artikel, den ich ganz spontan schreibe und beisteuere. 

Sehnsüchte

Ich erinnere mich noch, wie ich vor ca.25 Jahren das erste Mal meinen Fuß auf diese Insel gesetzt habe. Man sagt häufig zu Kreta: entweder ist es Liebe auf den ersten Blick und für immer - oder gar nicht. Nun, wen wundert es nach dieser Einleitung... bei mir war es ersteres. 

Wer jetzt denkt, was soll denn ein Reisebericht mit dem Thema Mut zu tun haben? Nun... es wird auch kein Reisebericht über Kreta. Es ist nur passend, weil Kreta für viele Menschen auch stellvertretend für Sehnsüchte steht.

Und so habe auch ich mir damals, in meinem alten Leben, jedes Jahr immer lebhafter ausgemalt, wie schön es wäre, für immer dort zu sein. Dort unbeschwert zu arbeiten, zu leben. 

Im Beruf war ich nicht gerade glücklich, hatte Mobbing zum ersten Mal kennengelernt und erinnere mich wie heute an den Rat meiner Eltern: mach mal lieber die Faust in der Tasche, finde Dich damit ab, dass das Leben nicht nur eitel Sonnenschein ist. Also bin ich in Deutschland geblieben. Habe still, aber nicht immer leise trotzdem weiter geträumt, geplant.

Erkenntnisse

Warum ich letzten Endes nicht nach Kreta ging? Nun... nicht wegen des Rates meiner Eltern. Schon damals waren die Grundstückspreise aus meiner Sicht utopisch. Hinzu kamen viele persönliche Gespräche, die ich auf Kreta geführt habe.

In diesen Gesprächen wurde mir bewusst, dass hinter der wunderbaren Urlaubsstimmung genauso Schatten ist neben der Sonne wie in Deutschland oder irgendwo anders auf dieser Welt. Wie einsam es in den Wintern ist, wenn nur noch die Einheimischen dort sind. Dass man aufs Auto angewiesen ist, weil der öffentliche Nahverkehr nur noch das Nötigste abdeckt. Dass man - ähnlich wie in jedem anderen Dorf der Welt - immer ‚die Zugereiste‘ - oder wie man in Köln auch sagt, der ‚Immi(grant)‘ - bleibt. Selbst als Grieche vom Festland. Dass man viel mehr für viel weniger Geld arbeiten muss. Und das schon vor der großen Griechenland-Krise.

Kreta ist wunderbar, ja. Und es flossen durchaus immer wieder mal Tränen, wenn es an den Rückflug ging. Aber meine bewusste Entscheidung war gefallen. Versteh' mich nicht falsch - es geht nicht darum, eine reine Vernunft-Entscheidung zu treffen. Sondern sich zu überlegen: was ist es, was ich wirklich will? Und dazu gehört bei lebensverändernden Entscheidungen auch, verschiedene Blickwinkel zu betrachten. Und dann zu entscheiden: ok - ich nehme die Konsequenzen in Kauf, höre auf mein Bauchgefühl und tue es. Oder eben andersherum.

In der Verhaltenstherapie würde man dazu sagen ‚Kosten-Nutzen-Analyse‘: alle Punkte auf den Tisch legen. Überlegen, ob ich bereit bin, den Preis zu zahlen. Den Preis, den eine Veränderung mit sich bringt. Oder den Preis, wenn es so bleibt, wie es ist. Und eine bewusste Entscheidung treffen. Aber diese Sichtweise kannte ich damals noch nicht.

Viele Jahre, Erfahrungen und persönliche Veränderungen später war ich mit meinem Mann nach sechs Jahren Pause mal wieder auf Kreta. Es war immer noch das gleiche Gefühl wie damals. Ich wollte gar nicht mehr weg. Aber ich wusste auch: wir würden immer mal wieder herkommen, unser wirkliches Leben war und ist woanders. Ich werde sicherlich immer wieder auch nach Kreta reisen. Doch auch woanders hin - denn es gibt viele weitere schöne Fleckchen auf dieser Erde. Denn auch das tat ich schon als Kind gern: reisen. 

Für mich hatte ich irgendwann eine Erkenntnis: meine Heimat ist überall... überall dort, wo ich mich wohlfühle. Überall auf der Welt kann es sein, solange ich mit mir im Reinen bin. Damit kann ich - muss aber nicht in die Ferne schweifen, auf eine Gelegenheit warten, die vielleicht niemals kommt. Ich erkannte, dass ich mein Leben auch in Deutschland ebenso wie woanders quasi ‚neu erfinden‘ kann. 

Das Leben 'neu erfinden' - und Mut

Schon lange beschäftigte ich mich mit den Zusammenhängen zwischen Körper, Geist und Seele. Seelisches Gleichgewicht und eine innere Balance sind wichtig für unser Wohlbefinden. Ist das nicht vorhanden, kommt die Seele ins Ungleichgewicht - und reagiert teils auch mit körperlichen Symptomen (z. B. Bluthochdruck, Neurodermitis, Magen-Darm, etc). Und so verfolgte ich neben meinem kaufmännischen Job eine Idee: warum beschäftige ich mich nicht näher damit - und biete dann in dieser Richtung etwas an? Aus- und Weiterbildungen folgten.

Die erforderliche Zeit für mein Lernpensum war keine Belastung - wohl, weil ich es unbedingt wollte, eine Vision mich antrieb und antreibt. Die Zulassungsprüfung zur Heilpraktikerin (Psychotherapie) erforderte Mut. Und es war Mut erforderlich, kurz danach meine Praxis zu eröffnen. Für mich erfordert es übrigens auch Mut, online sichtbar zu sein.

Inzwischen darf ich seit 2015 mehrere Leben leben... 

... in meiner Praxis als Heilpraktikerin für Psychotherapie mit der Philosophie ‚so viel wie nötig, so wenig wie möglich‘ und wo ich Menschen Optionen zum Umgang mit Stress und Veränderungen aufzeige. Gemeinsam hinschauen, woher eine "Ent-Täuschung" kommt. Den Mechanismus ihres Stresses, ihrer Angst, erarbeiten, und ihnen Hilfsmittel für den Umgang damit an die Hand geben, die sie immer wieder selbst anwenden können. 

... den kaufmännischen Beruf, der mir wieder Freude bereitet, seitdem ich die Optionen und Wahlmöglichkeit habe. 

...  mein Privatleben mit vielfältigen Interessen und persönlichen Beziehungen.

Heute werde ich oft gefragt, wie ich das alles hinbekomme. Und ja... manchmal komme ich an meine Grenze. Doch ich erkenne sie rechtzeitig und kann gegensteuern. Denn es geht nicht darum, Stress komplett zu vermeiden. Der Mensch ist dafür geschaffen, sich stetig weiterzuentwickeln. Gesunder Stress macht uns leistungsfähig und kreativ - wichtig ist dabei die Balance von Anspannung und Entspannung. Nur das ‚viel zu viel Stress’, der Dauerstress, ist ungesund. Deswegen kann ich meinen PatientINNen auch gut vermitteln, dass Stress, Veränderungen und auch damit zusammenhängende Ängste zum Leben dazu gehören - und ein anderer, gesunder Umgang damit möglich ist.

Auch meine Familie wundert sich manchmal, woher ich meine positive Energie, meinen unerschütterlichen Optimismus hernehme. Die Erklärung meines Mannes dazu finde ich sehr schön: Monika, Du hast alles Positive, das Dein Umfeld nicht annehmen konnte, aufgesogen... 

Zurückkommend zur Ausgangsfrage ‚Was bedeutet für Dich ein schönes Leben?‘ würde ich sagen: 

Im Hier und Jetzt sein. Das Leben leben. Herausforderungen annehmen, aber mir auch Auszeiten oder sogenannte (M)Ich-Zeiten zum Auftanken und für die Selbstfürsorge nehmen. Sich selbst annehmen und ein positives Umfeld bilden die Grundlage dafür.

Ich möchte hiermit allen Mut machen:

Du hast die Zügel selbst in der Hand. Du allein hast Macht über Deine Gedanken. In der Regel wird sich Dein Umfeld nicht ändern - aber Du selbst kannst etwas bei Dir verändern.

Das Leben ist schön mit allen Facetten. Und gäbe es keinen Schatten - wüssten wir die Sonne nicht zu schätzen.