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Innere Antreiber kennen hilft Stress zu verringern

Innere Antreiber

Stolperst du auch immer wieder über den Begriff

"Innere Antreiber"?

Oft werden die inneren Antreiber mit den Begriffen Stressauslöser, Überlastung, Überforderung verknüpft. Doch ist das wirklich immer so - oder gibt es auch Vorteile, etwas Positives, wenn bei dir ein bestimmter innerer Antreiber ausgeprägt ist?  Wenn du deine inneren Antreiber kennst, kannst du aktiv Stress verringern. Wie hört sich das für dich an?

Schauen wir uns doch einmal an, was

  • innere Antreiber - oder auch Persönlichkeitseigenschaften - sind
  • woher sie kommen
  • was sie mit Stress zu tun haben
  • ob es positive Aspekte gibt
  • Möglichkeiten umzugehen

Hinter den inneren Antreibern stecken letzten Endes Persönlichkeitseigenschaften:

Persönlichkeitseigenschaften - und damit verbundener Stress

In meiner Praxis geht es häufig um den Umgang mit Stress und stressigen Situationen. Hauptsächlich im Job, aber auch im persönlichen Bereich. Wenn wir das Thema näher beleuchten, geht es auch um

  • Ansprüche und Erwartungshaltungen
  • das Unverständnis, dass immer wieder die gleichen Schwierigkeiten auftreten
  • die Enttäuschung, dass Hilfsbereitschaft nicht gesehen wird

Jeder Mensch hat eine bestimmte Persönlichkeit, Eigenschaften, Werte, die ihm wichtig sind. Du sicherlich auch. Diese haben einen grossen Einfluss auf unser Verhalten und Empfinden. 

Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt, woher das so kommt...

Ursprung Persönlichkeit, Eigenschaften, Werte

Diese entstehen durch Erfahrungen aus unserer Kindheit und Jugend – mit unseren Eltern, Verwandten und Bekannten, aber auch anderen engen Bezugspersonen.

Vielleicht kennst du den Satz: Kinder sind ein Spiegel ihrer Eltern… Auch wenn die Eltern das manchmal nicht ganz gerne hören 🙂

Kinder ahmen immer ihre Bezugspersonen nach – das geschieht ganz unbewusst und gehört zum Entwicklungsprozess dazu. Wo sollten sie auch sonst ihre Erfahrungen machen, lernen, sich entwickeln? Und diese Erfahrungen prägen uns alle, bis in unser Erwachsenenleben hinein.

PS: eine kleine Anekdote...

...aus dem Freundeskreis, als die Kinder noch klein waren:

Es gab Pommes Frites und einiges mehr aus der Pommes Bude. Die kleine Tochter - nennen wir sie hier Marie - hatte zu viele Pommes Frites und mochte nicht mehr. Ihr Vater wollte sich dann noch welche nehmen... und sie sagte: Papa, wenn du noch Hunger hast... mach' dir doch ein Butterbrot...

Ich habe damals sehr gelacht, als ich die Geschichte hörte 🙂

Doch zurück zu den Erfahrungen aus Kindheit und Jugend. Wusstest du, dass wir auch im reifen Alter erstaunlicherweise häufig die tief in unserem Inneren verankerten Gebote und Verbote noch befolgen? Wir wollen das nicht und können es uns kaum vorstellen - aber so ist es.

Häufig sind diese auch hilfreich und wichtig; insbesondere, wenn diese von einem wohlwollenden Elternteil stammen, wie z. B. „Lass Dich nur nicht unnötig hetzen“. Andere dagegen sind belastend, einengend und blockierend.

Die Amerikaner Kahler und Capers haben fünf grundlegende „elterliche“ Forderungen herausgearbeitet, die sie als Antreiber und Blockierer bezeichnen.

Vor- und Nachteile von Inneren Antreibern

Innere Antreiber können dich zu mehr Leistung, Geschwindigkeit, Perfektion und Freundlichkeit „antreiben“ – sind also durchaus positiv zu sehen. Sie können aber auch zu Stress und Überanstrengung bis hin zum Burnout führen.

Die gute Nachricht ist:

Du kannst lernen, mit deinen inneren Antreibern gut umzugehen. Damit du sie als Helfer und Unterstützer nutzt – anstatt dich zum Sklaven von ihnen zu machen und in eine Negativ-Spirale zu kommen.

Schauen wir uns das einmal genauer an:

Welche inneren Antreiber gibt es

Es gibt einige davon. Ich stelle dir hier die bereits erwähnten fünf grundlegenden inneren Antreiber nach Kahler und Capers mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen sowie zwei weitere vor:

Sei perfekt!

Hinter diesem Stressverstärker steckt das Leistungsmotiv sowie der Wunsch nach Anerkennung und Erfolg durch gute Leistungen. Er verlangt Perfektionismus und Vollkommenheit von mir und von den anderen – und im weitesten Sinne auch ein Aufruf zur Überexaktheit und gleichzeitig eine Warnung vor Toleranz. Insbesondere in Situationen, wo ein Misserfolg, Versagen oder eigene Fehler möglich sind, wird der Druck besonders hoch.

Für manche Berufe ist dieser innere Antreiber extrem wichtig und hilfreich - stell‘ dir einmal vor, ein Buchhalter oder ein Chirurg hätten diesen Antreiber nicht…

  • Glaubenssatz: Ich muss alles noch viel besser machen. Es ist nie gut genug.
  • Stärke: hilfreich bei Aktivitäten, welche Sorgfältigkeit und Genauigkeit erfordern
  • Schwäche: Angst, etwas kann schief gehen, 80/20 (Pareto-Prinzip) sind nicht genug - eher 120 %, oft Übererfüllung der Ziele, Hang zur Pedanterie

Mach schnell!

Diese Aussage fordert, immer alles rasch und schnell zu erledigen. Es ist ein Aufruf zur Hektik und eine verborgende Warnung vor Nähe zum anderen.

  • Glaubenssatz: Ich muss schnell sein, sonst werde ich sicher nie fertig.
  • Stärke: rasch Entscheidungen treffen, Einfallsreichtum
  • Schwäche: Angst, etwas zu versäumen, sich selbst wenig Zeit geben, permanent unter Druck stehen, oft kaum soziale Kontakte, keine Zeit für Details haben

Streng Dich an!

Alles geht nur über Leistung und Fleiß. Der Aufruf dabei ist, dass nicht das Resultat, sondern die Leistung zählt. "Streng dich an!" warnt vor „sich gehen lassen“ und genießen.

  • Glaubenssatz:  Ich muss mich immer anstrengen, egal wobei. Das Leben ist hart. Ohne Fleiß kein Preis.
  • Stärke: Einsatzbereitschaft
  • Schwäche: Angst, dass andere besser sind als ich. Nicht mit dem Erreichten zufrieden sein, wenn es leicht geht. 

Mach es allen recht! Sei beliebt!

Hier steht sehr der Wunsch nach Anerkennung im Vordergrund – verbunden mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Angenommensein und Liebe.

Zu den Grundgedanken gehört, dass der andere immer wichtiger ist, als ich selbst. Es ist aber auch eine Warnung vor Konflikten und davor, eigene Bedürfnisse anzumelden.

  • Glaubenssatz: Ich bin nur dann wertvoll, wenn alle mit mir zufrieden sind. Wenn ich „Nein“ sage, werde ich sofort abgelehnt.
  • Stärke: beliebt bei KollegINNen, kommt bei anderen gut an, oft hohe soziale Kompetenz
  • Schwäche: Unfähigkeit Nein sagen zu dürfen/ können, keine Abgrenzung, wird gern ausgenutzt, eigene Bedürfnisse zählen nicht

Sei stark!

Diesen Menschen ist Autonomie unglaublich wichtig – also der Wunsch nach persönlicher Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Dies heißt auch, sich keine Blöße geben, Vorbild sein. Es ist ein Aufruf zum Heldentum um jeden Preis und eine Warnung davor, Gefühle zu zeigen und traurig zu sein.

  • Glaubenssatz: Niemand darf es merken, dass ich schwach/ empfindlich/ ratlos bin. Gefühle sind ein Zeichen von Schwäche/ machen verletzbar. Ein Indianer kennt keinen Schmerz.
  • Stärke: Belastbarkeit, Eigenständigkeit
  • Schwäche: Angst, andere könnten meine Schwäche entdecken und mich ablehnen. Schwächen und Fehler sind schlecht und dürfen nicht sein.

Weitere Antreiber, auch Stressverstärker können sein:

Sei vorsichtig!

Auch hier steht – ähnlich wie bei „Sei stark!“ – das Kontrollmotiv im Vordergrund. Allerdings nicht in der Hinsicht, sich keine Blöße zu geben, schwach zu sein. Sondern es ist der Wunsch nach Sicherheit und Kontrolle im eigenen Leben.

Häufig machen sich Menschen mit diesem Antreiber viele Sorgen um mögliche Risiken und Gefahren, was sie unglaublich viel Zeit und Kraft kostet.

  • Glaubenssatz:  Ich muss die Kontrolle behalten – nur so kann ich Fehlentscheidungen und Risiken ausschließen/ vermindern. Andere können das nicht so einschätzen, wie ich – deswegen ist es besser, ich mache es selbst.
  • Stärke: Sicherheit, Kontrolle über das eigene Leben; übergreifendes Denken
  • Schwäche: Kann längerfristig zu Selbstüberforderung führen und begünstigt ein Burnout – denn eine hundertprozentige Sicherheit und Kontrolle über alle Situationen ist leider unrealistisch und kaum erreichbar.

„Ich kann nicht!“

Bei diesen Menschen steht der Wunsch nach dem eigenen Wohlbefinden, einem bequemen Leben im Vordergrund. Situationen, in denen unangenehme Aufgaben, Anstrengungen oder gar Frustration bzw. Enttäuschung möglich sind… gehen sie nach Möglichkeit aus dem Weg.

  • Glaubenssatz: „Ich kann nicht.“ „In der Ruhe liegt die Kraft – wird sich schon von selbst erledigen.“ – Life must be easy.
  • Stärke: Leichtigkeit, achten auf ihre Bedürfnisse
  • Schwäche:  vertrauen ihren eigenen Kompetenzen nicht, hüten sich vor Anstrengungen und Schwierigkeiten. Wenn dieser Antreiber stark ausgeprägt ist, entwickelt sich häufig eine sehr ausgeprägte Schonhaltung.

Ich weiss, diese Verhaltensmuster zu verändern ist nicht leicht. Weil es einfach schwierig ist, aus der "eigenen Haut heraus zu kommen". Doch lass' dir sagen: es geht.

Die inneren Antreiber haben sogar ihren Weg in Wikipedia gefunden.

Was du tun kannst

Selbstwahrnehmung

Der wichtigste Schritt ist für dich zu erkennen, welche dieser Persönlichkeitseigenschaften die so antreibt, dass du in Stress und Überlastung gerätst. Und dann überhaupt wahrzunehmen, wenn der Stress einsetzt. Helfen kann dir hier eine gute Selbstwahrnehmung.

Ein wertvoller Tipp für den Alltag ist die 1-Minute-Meditation - oder meine liebste Erste-Hilfe-Massnahme: Atmen... (mehr dazu findest du in diesem Blogartikel von mir: Atmen - DIE Strategie für fast jede Lebenslage.

Weg von "zu viel" - und hin zu Ausgewogenheit

Letzten Endes sind diese Antreiber - so wie übrigens fast alle Stressauslöser - nur dann schwierig, wenn davon "zu viel" vorhanden ist. Wenn du dich bei einem dieser Punkte ertappst, frage dich doch einmal, ob das wirklich so ist. Wirklich und wahrhaftig. Oder ob vielleicht auch weniger geht - denn oft ist weniger mehr.

Eine weitere Möglichkeit ist,

die Antreiber zu nutzen - und sie durch Erlauben zu ersetzen.

Beispiele:

Sei perfekt

  • Ich erlaube mir, auch einmal einen Misserfolg zu haben.
  • Ich kann auch mal fünf gerade sein lassen.
  • Sehr oft sind auch 80 % ausreichend.

Mach schnell

  • Ich erlaube mir, auch einmal fünf Minuten auszusetzen und einfach nur „zu sein“.
  • Morgen ist auch noch ein Tag.
  • Nicht alles muss sofort fertig sein.

Streng Dich an

  • Ich kann meine Arbeit auch locker und entspannt tun.
  • Ich muss nicht alles wichtig nehmen.
  • Erfolge dürfen auch gefeiert werden.

Mach es allen recht

  • Ich darf meine Bedürfnisse ansprechen.
  • In bin ok, auch wenn jemand unzufrieden mit mir ist.
  • Ich darf es auch mir selbst recht machen.

Sei stark

  • Meine Gefühle gehören zu mir und sind OK.
  • Ich kann Verantwortung teilen und abgeben.
  • Ich darf mir Hilfe holen – dadurch verliere ich nicht mein Gesicht.

Formuliere doch einmal für dich deinen persönlicher Erlauber...

Fazit:

Und… hast du dich in dem ein oder anderen Antreiber wiedererkannt?

Das Ziel der persönlichen Entwicklung sollte es sein, mit unserem Erwachsenen-Ich eigenständig und bewusst entscheiden zu können, ob eine solche Botschaft sinnvoll oder stressauslösend ist.

Meine Bitte an dich: nimm‘ das alles nicht so ernst – jeder Mensch hat Anteile von jedem dieser Antreiber in sich. Sie alle sind oft gute Stützen im Leben. Einengend werden sie nur dann, wenn sie so befolgt werden, als würde eine Katastrophe hereinbrechen, wenn man sie nicht berücksichtigt.

Alle dieser Antreiber haben eine positive Seite, sie machen dich kreativ und leistungsfähig– nur „zu viel“ ist blockierend und setzt dich unter Druck.

Und du selbst hast es in der Hand, wie du mit ihnen umgehen und wie viel Raum du ihnen geben möchtest. Gegebenenfalls mit Unterstützung. 

Vielleicht findest du auch mein kostenloses eBook "Stark in eigener Sache" hilfreich. Darin findest du viele Tipps für den Umgang mit stressigen Situationen:

Stark in eigener Sache
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