Monika's BLOG

Rund um die Themen Selbstfürsorge, Stressbewältigung und Achtsamkeit.

Therapieziele formulieren

Therapieziele formulieren

Wirkungsvolle Therapieziele formulieren

Nicht nur in der Therapie sind gute, wirkungsvolle Ziele sinvoll – doch gerade in der Therapie ist die Formulierung eines Therapieziels essentiell wichtig. Warum? Nun… ganz einfach: ohne Therapieziel hat dein:e Therapeut:in keinen richtigen Arbeitsauftrag. Auch bei mir in der Praxis frage ich immer, was eine Patient:in oder Klient:in mit meiner Unterstützung erreichen möchte. Ich weiß, dass das nicht immer so einfach ist und bekomme häufig Fragen dazu gestellt. Die häufigsten Fragen habe ich in diesem Artikel aufgegriffen:


Warum soll ein Therapieziel schriftlich formuliert werden?

Wenn du dir darüber klar geworden bist, was du mit professioneller Unterstützung erreichen möchtest, kann ein Therapieziel sehr mächtig sein. Denn sobald du dir vorgenommen hast, etwas Bestimmtes zu erreichen, wirst du deinen Fokus darauf richten und dazu beitragen wollen, dieses auch zu erreichen.

Ist dein Therapieziel dann einmal formuliert und schriftlich niedergeschrieben, wird es konkret. Denn seien wir mal ehrlich: die meisten Menschen suchen sich Unterstützung, weil es anders werden soll, idealerweise besser werden soll. Doch… was konkret soll sich verändern?

Erst wenn du für dich weißt, was du ändern möchtest, wird aus deiner vagen Idee auch eine Absichtserklärung. Ich finde, es ist ein bisschen so, als würdest du einen Vertrag mit dir selber machen. Das hat doch etwas, oder?

Worauf muss ich bei der Formulierung eines Therapieziels achten?

In einer Therapie oder einem Coaching werden maximal 2-3 Ziele formuliert und dann priorisiert. Häufig hängen die gewünschten Therapieziele zusammen und es ergibt sich ein großes Therapieziel daraus. Doch es kommt auch durchaus vor, dass es um unterschiedliche Therapieziele geht.

Bei mir in der Praxis hatte ich schon öfters den Fall, dass es um Stressbewältigung bzw. Umgang mit Stress oder Selbstwert geht – aber auch, in welche Richtung sich jemand entwickeln möchte, sei es beruflich oder privat. Das sind zwei unterschiedliche Ziele.

Deswegen wird in diesem Fall besprochen, welche Priorisierung dir als „Auftraggeber“ wichtig ist. In der Regel wird dir ein Therapeut dazu raten, mit dem am leichtesten umsetzbaren Therapieziel zu beginnen. Dann hast du schnell ein Erfolgserlebnis und bist motiviert, deine weiteren Ziele anzugehen und umzusetzen.

Welche Kriterien soll ich bei der Formulierung eines Therapieziels berücksichtigen?

Therapieziele sollten wie alle guten Ziele bestimmte Kriterien erfüllen – hier der Auszug aus meinem Blogartikel "Therapieziele - ein Überblick" dazu:

Therapieziel

Warum ist es so wichtig, dass ich mein Therapieziel aus eigener Kraft erreichen kann?

Ein Ziel, auf das du selbst keinen Einfluss hast… ist kein Ziel, sondern ein Wunsch. Ein Wunsch kann sich erfüllen - oder auch nicht. Doch wenn du eine Therapie oder ein Coaching machst, ist eine Veränderung von dir gewünscht.

Dabei ist wichtig, dass deine Therapieziele bzw. die von dir gewünschte Veränderung durch dich selbst erreichbar sind. Denn du kannst dein Umfeld in der Regel nicht ändern – doch bei dir selbst eine ganze Menge. Alles, was dich betrifft, ist in deinem eigenen Einflussbereich und du hast in der Regel immer ein Wahl. Nicht unbedingt die Wahl, ob du etwas machen möchtest – der Arbeitgeber zum Beispiel gibt bestimmte Vorgaben. Doch du hast immer eine Wahl, wie du damit umgehen möchtest.

Zurück zum Thema: sobald die Erreichung deines Therapieziels vom Wohlwollen oder der Entscheidung anderer Menschen abhängt, liegt das Erreichen nicht in deiner Hand.

Ein Beispiel:

Du wünschst dir, dass dein Chef dich wertschätzt und fair behandelt. 

Das liegt nicht in deiner Hand – dein Chef entscheidet, wie er dich behandelt und wie er mit dir kommuniziert. Du hast jedoch in der Hand, wie du mit Kritik umgehst, zum Beispiel: „Ich bleibe ab sofort bei Kritik oder unachtsamen Bemerkungen meines Chefs ruhig und gelassen.“

Innerer Saboteur bei Therapiezielen: dein Unterbewusstsein

Wenn du deine Therapieziele konkretisierst und aufschreibst, programmierst du nicht nur dich selbst sondern auch dein Unterbewusstsein darauf, dieses zu erreichen.

Nun kann es sein, dass dein Unterbewusstsein anders programmiert ist – und überhaupt nicht mit einer Veränderung einverstanden ist! Schräg, oder?

Ja - aber so ist es. Wenn dein Unterbewusstsein nicht mit der Veränderung einverstanden ist, wird es diese sabotieren - und du verstehst die Welt nicht mehr. Vielleicht kennst du einige der folgenden Beispiele für den sogenannten "Inneren Saboteur":

  • Du möchtest abnehmen… er lässt dich nicht.
  • Du hast neue, gute Vorsätze… er verteidigt sein Revier
  • Du willst dich gesünder ernähren... und hast nur noch ungesundes Essen vor Augen und Lust darauf.
  • Du willst loslassen und etwas verändern… er hält an seinen Gewohnheiten fest.

Du fühlst dich hilflos, ärgerst dich und fragst dich, warum das alles nicht funktioniert – du willst es doch!

Während dein innerer Saboteur, also dein Unterbewusstsein an den alten Gewohnheiten festhält und diese mit aller Macht verteidigt. Denn schließlich waren genau diese Gewohnheiten oder Verhaltensmuster einmal DIE Lösung für ein anderes Problem!

Damit hast du ein inneres Dilemma – für das es eine Lösung gibt:

Regeln und Kriterien für mein Therapieziel: so kann Veränderung gelingen

Damit eine Veränderung wirklich funktionieren und du dein Therapieziel erreichen kannst, ist es wichtig, einige Regeln bzw. Kriterien bei der Formulierung deines Therapieziels zu beachten.

Die erste Regel lautet, dass ein Therapieziel immer positiv formuliert werden sollte – vermeide unbedingt Verneinungen oder aufzuschreiben, was du nicht mehr willst:

1. Regel: Formuliere dein Therapieziel positiv

Wenn ich dir jetzt sage,

  • denke NICHT an einen blauen Elefanten… was siehst du vor deinem inneren Auge? Wahrscheinlich einen blauen Elefanten, vielleicht sogar in Kombination mit einer Maus – aus der Sendung mit der Maus.
  • ignoriere das Lied „I will survive“… welches Lied geht dir durch den Kopf?

... und du kannst es nicht einfach abstellen. Du fragst dich, woher das kommt?

So richtig belegt ist es nicht, aber es wird von vielen Experten gesagt, dass das Unterbewusstsein eine Verneinung nicht versteht.

Also – was kannst du tun?

Sage einfach, was du willst – und nicht, was du nicht willst.

Wenn du in ein Café oder Bistro gehst, sagst du der Bedienung mit Sicherheit nicht „Ich will keinen Tee und keinen Kuchen“ - sondern du sagst „Ich möchte einen Cappuccino.“. Du sagst also sehr genau, was die Bedienung dir servieren soll.

Genauso ist es mit Therapiezielen – du

  • schreibst genau das auf, was du erreichen möchtest, z. B. selbstbewusst sein, dir xx Zeit für Entspannung reservieren, deine Bedürfnisse kommunizieren, einen guten Job haben)
  • und nicht, was du nicht willst (z. B. keinen Ärger mit bestimmten Kollegen, nicht mehr so unsicher auftreten, deine Selbstfürsorge nicht vernachlässigen, nicht arbeitslos sein).

2. Regel: Formuliere dein Therapieziel so, als hättest du es schon erreicht

Programmiere dein Unterbewusstsein darauf, dein Ziel Realität werden zu lassen – indem du es so formulierst, als ob du es schon erreicht hast.

Vielleicht kennst du das: häufig setzen wir uns weiche Ziele, um uns selbst nicht zu enttäuschen – und schreiben „Ich versuche…“ anstatt „Ich werde…“. Das Unterbewusstsein nimmt dieses Wort sehr, sehr wörtlich… damit du es immer wieder versuchen kannst.

Deshalb formuliere konkret und in der Gegenwart, was du willst, z. B.

  • Ich wiege am xx.xx.xxxx 70 kg.
  • Ich nehme mir jeden Mittwoch um 18 Uhr Zeit für Progressive Muskelentspannung.
  • Ich meditiere jeden Morgen 5 Minuten
  • Ich mache jeden Arbeitstag meine Mittagspause von 30 Minuten.
  • Ich nehme Lob an.
  • Ich kann Berufs- und Privatleben trennen.

Damit weiß dein Unterbewusstsein: du willst es nicht versuchen, sondern du willst es erreichen.

3. Regel: Definiere für dich dein Therapieziel so konkret und detailliert wie möglich

Damit gibst du deinem Unterbewusstsein direkt Bilder vor, auf die es hinarbeiten kann – denn es möchte dich so gut wie möglich unterstützen. Außerdem stellst du so sicher, dass du erreichst, was du wirklich möchtest. Idealerweise ist dein Therapieziel in einen Kontext eingebunden, z. B. Kategorien wie Beruf, Freizeit, aber auch Personen, Orte.

Schreibe quasi einen kleinen Bestellzettel für dich - nicht ans Universum (wobei das auch geht 😉), sondern an dein Unterbewusstsein. Wenn du etwas im Internet bestellst, suchst du auch nicht nach einem Pullover – sondern auch nach der richtigen Größe, Farbe, Schnitt und vielleicht auch nach einem bestimmten Hersteller. Oder wenn du eine Reise buchen möchtest, hast du konkrete Vorstellungen von Ort, Hotel, Anreise, Umgebung, Verpflegung, etc.

Bestellzettel ans Unterbewusstsein - überliste deinen "inneren Saboteur"

Click to Tweet

Wenn du wichtige Details offen lässt… kann es sein, dass du dein Therapieziel auch erreichst, aber anders, als gewünscht. 

Ein Sprichwort aus Asien besagt:

"Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen."

(Verfasser unbekannt)

4. Regel: Dein Therapieziel sollte überprüfbar sein

Woran merkst du, dass du dein Therapieziel erreicht hast oder der Erreichung sehr nahegekommen bist? Woran merkt es dein Umfeld?

Schreibe auf

  • Wo bist du dann?
  • Wie bist du dann?
  • Wie sind dann deine zwischenmenschlichen Beziehungen? Deine Arbeit? Deine Freizeit?

Dein Unterbewusstsein speichert all das ab und unterstützt dich dabei.

Zusammenfassung:

Die Wertschätzung deines bisherigen Verhaltens ist wichtig - denn dieses Verhalten war einmal die perfekte Lösung für ein Problem. Wenn du das kannst, nimmst du dein Unterbewusstsein mit und besänftigst deinen „inneren Saboteur“. Dein Unterbewusstsein will, dass es dir gut geht – und braucht einfach eine neue Aufgabe, um dich dabei bestmöglich zu unterstützen.

Du kannst Therapieziele erreichen. Dazu gehört die Bereitschaft, wirklich etwas zu verändern, daran zu arbeiten – und vor allen Dingen: zu überlegen, was du erreichen möchtest.

Ob deine Therapieziele den Kriterien entsprechen, kannst du leicht mit der sogenannten SMART-Analyse überprüfen:

SMART-Analyse für Therapieziele

  • S – Spezifisch (specific): Unklare und vage Formulierungen sowie Verallgemeinerungen sind nicht hilfreich – je konkreter deine Formulierung, desto besser.
  • M – Messbar (measurable): Denke darüber nach, woran du die Erreichung deines Ziels messen und am Ende der Therapie bzw. Zusammenarbeit sagen könntest: „Danke Frau Neuwinger, ich bin jetzt genau da, wo ich hinwollte bzw. auf einem guten Weg dahin.“
  • A – Attraktiv (accepted): Dieses Kriterium beschreibt deine Motivation für dein Therapieziel und motiviert dein Unterbewusstsein, dich dabei zu unterstützen. Das funktioniert allerdings nur, wenn das Ziel so attraktiv ist, dass die erforderliche Motivation in ausreichendem Maß vorhanden ist. Du kannst das erreichen, indem du dein Therapieziel positiv formulierst.
  • R – Realistisch (realistic): Es ist übertriebener Ehrgeiz, auf Biegen und Brechen eine komplette Veränderung umsetzen zu wollen. Dein Therapieziel soll realistisch und aus eigener Kraft erreichbar sein.
  • T – Terminiert (time determined): zeitlich festgelegt - in welchem Zeitraum und mit welchem Aufwand an Therapiestunden und Hausaufgaben soll das Ziel erreicht werden? Das ist sicherlich sehr individuell und kann nicht immer im Vorfeld gesagt werden – das hängt ja auch von der Komplexität des Anliegens ab. Ich sage immer „So viel wie nötig – so wenig wie möglich“ – nach 2-5 Sitzungen sollte zumindest ein Teilerfolg in Sicht sein und du kannst mit deiner Therapeutin abstimmen, wie es weitergeht und was als nächster Schritt sinnvoll ist. Mir ist zum Beispiel wichtig, dass ich dir Werkzeuge an die Hand gebe, mit denen du auch alleine weiterarbeiten kannst. Denn Therapie bzw. Unterstützung sollte nicht unendlich sein, sondern deine Selbsthilfekompetenz stärken.

SMART-Analyse - so gelingen Ziel-Setzungen

Click to Tweet

Ich wünsche dir...

...viel Erfolg bei der Formulierung und Umsetzung deiner Therapieziele – und natürlich generell bei der Umsetzung deiner Ziele.

Der Artikel hat dir neue Erkenntnisse gebracht, dich unterstützt oder du möchtest etwas ergänzen? Schreib‘ es gern in den Kommentar.

Du möchtest mehr zu meiner Arbeitsweise wissen? Kontaktiere mich ganz einfach für weitere Informationen und ein Gespräch.

MonikaNeuwinger

P.S. Sharing is caring:

Wenn dir der Artikel gefallen und dich inspiriert hat, teile ihn gern mit Freunden, die sich ebenfalls über eine Inspiration freuen. Dankeschön

  • tolle Erklärung mit dem inneren Saboteur. Den kenne ich… ich möchte abnehmen und habe mir als Ziel für die nächsten Wochen gesetzt, keinen Kuchen, keine Süssigkeiten mehr zu essen… und schon denke ich dauernd an Kuchen und kann kaum widerstehen. Also werde ich mal überlegen, wie ich formuliere. Danke schön.

    • Liebe Karin,
      danke dir für diesen Kommentar – gerade der innere Saboteur hat so seine Tücken, kann aber mit Formulierungen gut mitgenommen werden. Er bzw. das Unterbewusstsein benötigt halt eine Aufgabe.
      Ich wünsche dir ein tolles, positives Ziel, dass dich unterstützt.
      Herzliche Grüße
      Monika 🧡

  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

    Der kürzeste Weg in meine E-Mail-Liste

    Du möchtest kostenlos Anregungen und Tipps direkt in Dein Postfach bekommen? Meine Themen sind rund um Selbstfürsorge, Stressbewältigung und Achtsamkeit. Hier geht's zur Anmeldung:

    >